Project: Cosplay

Als eine weitere Unternehmung der Edition des Berliner Büchertisches wurde Ende 2010 in Zusammenarbeit mit der Berliner Technische Kunsthochschule (btk) das project:cosplay gestartet, eine Bildband-Dokumentation über die Jugendkultur der Cosplayer.

Was ist Cosplay?

Im Zuge des Manga- und Animebooms der letzten Dekade hat sich diese Subkultur auch in Deutschland fest etabliert. Der Anglizismus Cosplay steht dabei für „costume play“, da auf den Fantreffs (den sogenannten Conventions) durch Kostüm und Verhalten Charaktere aus japanischen Comics, Zeichentrickfilmen und Videospielen dargestellt werden. Zunehmend dienen aber auch Figuren aus Realspielfilmen und aus der westlichen Populärkultur als Vorbilder (z.B. Fluch der Karibik, Avatar, Lara Croft). CosplayerInnen sind überwiegend Jugendliche und mehrheitlich weiblich. Für die eigenhändige Anfertigung der Kostüme wird oft ein grosser handwerklicher und kreativer Aufwand betrieben. Üblicherweise beschränkt sich dabei ein CosplayerInnen nicht auf die Darstellung einer einzigen Figur, sondern fertigt regelmässig neue Kostüme an, die er parallel verwendet, z.B. an unterschiedlichen Tagen einer Convention. Eine wichtige Rolle auf den Fantreffs spielen auch Wettbewerbe, bei denen einzelne Cosplayer oder Gruppen selbstgeschriebene Sketche oder Tanz- und Gesangseinlagen aufführen und dafür bewertet werden.

Motivation:

Es gibt bis jetzt keinen Fotoband der die Cosplayszene in Deutschland angemessen dokumentiert. Ein Buch, dass CosplayerInnen dann zum Beispiel auch ihren Eltern und Verwandten zeigen können um zu erklären, was für ein Hobby sie betreiben.

Wir vom Berliner Büchertisch halten Cosplay für eine positive Jugendkultur, die spielerisch mit Identitäten zu experimentieren. Aufgrund der durch Online Communities geprägten Struktur ist die Cosplay-Szene durch flache Hierachien geprägt, die für Neulinge offen sind und diese schnell integrieren. Toleranz gegenüber Anderen ist für die Cosplayszene ein wichtiger Wert.

Zwar ist das gegenseitige Fotografieren mit einem entsprechendem Posing ein schon ritueller Aspekt der Cosplayszene. Aber selten werden professionelle Fotos in einem Studio gemacht. Die Bilder werden zudem meistens nur in Online-Communities veröffentlicht. Wenn man bedenkt, dass die führende deutschsprachige Manga- und Animeplattform animexx allein über 130.000 Mitglieder hat, kann man bei einem interessant gestalteten Buch über deutsche CosplayerInnen von einer genügenden Nachfrage ausgehen. Auch unsere persönliche Kontakte mit CosplayernInnen, die fast immer begeistert auf die project:cosplay Buchidee und die gemachten Bilder reagierten, bestätigen uns.

Ausführung:

Für project:cosplay werden die Cosplayer im Fotostudio der Berliner Technische Kunsthochschule (btk) in ästhetisch anspruchsvollen Bildern festgehalten. Zur Ergänzung werden Fotos auch auf ausgewählten Conventions gemacht. Zuletzt betrieben wir auf der Leipziger Buchmesse 2011, die auch als einer der wichtigsten Cosplaytreffen fungiert, einen sehr erfolgreichen Fotostudio-Messestand. Die Bilder sollen in Zusammenarbeit mit einem externen Verlag in einem Bildband veröffentlicht werden. Dieser wird auch einen einleitenden Essay beinhalten, der die Cosplay-Szene in Deutschland beleuchtet und deren kulturelle Signifikanz für die Gegenwart skizziert.

Beteiligung:

Die Idee geht auf den Berliner Büchertisch zurück, der das project:cosplay-Konzept entwickelte und einen Hochschulpartner akquirierte. Wir werden uns weiter um die organisatorische Umsetzung kümmern und möchte falls möglich als Herausgeber fungieren. In der Berliner Technische Kunsthochschule (btk) konnten wir einen Partner gewinnen, der sich das Projekt begeistert zu eigen gemacht hat. Die btk ist eine 2006 gegründete private, staatlich anerkannte Hochschule für Gestaltung in Berlin. Angeleitet von dem etablierten Fotokünstler Andrej Glusgold haben sich sieben StudentInnen dem Projekt verschrieben und leisten die entscheidende künstlerische Arbeit: Lucian Spatariu, Luka Alagiyawanna, Marc Huth, Marcel Maffei, Sebastian Heuser, Silke Meya, Thomas Schäfer. Von Seiten des Büchertisches wird das Projekt betreut von Steffen Bauer.

Der Fotostudio-Messestand auf der Leipziger Buchmesse 2011 wurde von der Leipziger Messe GmbH gefördert. Besonderen Dank geht an dieser Stelle an die zuständige Projektreferentin Kerstin Libuschewski, die von Anfang unserem Vorhaben wohlgesonnen war.

Kontakt: edition@berliner-buechertisch.de